Gedanken zum Rentenproblem in Deutschland

Die umlagefinanzierte Rente gerät immer weiter in die Krise - die Politik scheint ratlos!

26.07.2017
aktualisiert am 11.08.2017

Themen:
Gesetzliche Rente

In jeder Legislaturperiode schustert die deutsche Politik durch immer neue Rentenreformen an der Altersrente der Bundesbürger herum. Reformen schaffen partielle Umverteilungen, Reformen schaffen aber kein Geld. Wo liegen die wirklichen Gründe für die heikle Situation, in der sich die Rentenfinanzierung befindet?

Die Rahmenbedingungen sind bekannt: die Gesellschaft altert, wir leben immer länger, immer weniger Beitragszahler stehen immer mehr Rentenempfängern gegenüber, die Abgaben vom Bruttolohn sollen aber nicht steigen. die Finanzdecke wird immer dünner, das Rentennachhaltigkeitsgesetz streckt das Rentenvolumen durch Abflachung des Rentenniveaus. Immer wieder neue Rentenreformen versuchen Gerechtigkeit in die Verteilung der vorhandenen Mittel zu erzielen, aber Rentenreformen schaffen kein neues Geld, das verteilen wäre. Manche Aspekte des Rentenproblems geraten immer wieder aus dem Fokus, obwohl gerade dort Ansätze der Verbesserung liegen könnten.

Der Arbeitsmarkt

Seit vielen Jahren freut sich die Politik und die entsprechenden Behörden, immer wieder tolle Meldungen über den Arbeitsmarkt zu verbreiten. Im Prinzip nicht zu unrecht. Aber eine geringe Arbeitslosenquote oder sogar eine angestrebte Vollbeschäftigung sagen an sich noch nichts über die Ertragskraft des Arbeitsmarktes aus Sicht der Bürger aus. Wir können uns noch so sehr freuen über die zunehmende Beschäftigung in Deutschland - und tatsächlich ist Arbeit besser als Hartz IV-Bezug - doch wenn der Niedriglohn-Sektor im Arbeitsmarkt ständig wächst, wachsen die Abgaben in die Rentenversicherung leider unverhältnismäßig gering. In kaum einem anderen Land der Europäischen Union hat es in den letzten 15 Jahren so geringe Einkommenssteigerungen für Arbeitnehmer gegeben wie in Deutschland. Das Modell der Ich-AG hat zusätzlich dazu geführt, dass viele Bürger mit extrem geringem Einkommen gar keine Altersvorsorge betreiben oder betrieben haben. Das wird uns auf die Füße fallen. Durch die Möglichkeit der Leiharbeit haben viele Menschen einen gering bezahlten Arbeitsplatz gefunden. Gut so, besser als keinen Arbeitsplatz. Aber wenn im Gegenzug ohne wirkliche arbeitsmarkt-politische Notwendigkeit Vollzeitstellen in viele Teilzeitstellen umgewandelt werden, die dann unter der Grenze der Sozialabgabenpflicht honoriert werden, werden auch keine Sozialabgaben gezahlt. Viele Unternehmen unterlaufen ständig die Mindestlohnregelung durch geschickte jurustische Konstruktionen und reißen damit immer größere Löcher in unsere Rentenkassen.

Neue Reformfelder

Es ist eine Erfolgsgeschichte der deutschen Wirtschasftspolitik, dass in präkeren Zeiten durch Reformen des Arbeitsmarktes die Höhe der Lohnstückkosten niedrig gehalten wurden, um preispolitische Anreize zu schaffen. Die Arbeitnehmer haben dafür sehr viel Verzicht geleistet. Gleichzeitig haben deutsche (Groß)Unternehmen exorbitante Gewinne erziehlt. Aus Sicht der Unternehmen ist dies natürlich attraktiv. Auch wenn die Notwendigkeit für diesen Lohnverzicht in der auslösenden Form gegenwärtig gar nicht mehr existiert, sind die Reformmodelle immer noch existent, das Lohnniveaus in weiten Teilen der arbeitenden Bevölkerung gering. Aber auf Dauer höhlt dieses Prinzip die Finanzierung der Altersexistenz aus. Zusätzlich müßte überkegt werden, inwieweit Steuervermeidungsstrategien der Großunternehmen entgegengewirkt werden kann. Einerseits nutzen diese Unternehmen die kostspielig zu erhaltende Infrastruktur des Landes, beteiligen sich aber auf der Basis optimierter Steueraufkommen unterdurchschnittlich an der Erhaltung des Gemeineigentums. Da in Zukunft die Stabilisierung der Renten noch umfangreicher vom Transfer von Steuerleistungen in die Rentenkassen abhängen wird, hat das Gesamzsteueraufkommen auch immer größere Bedeutung für die Altersrente.

Der vorbildliche Mittelstand 

Innerhalb dieses Themas muss endlich einmal auf eine zweite Erfolgsgeschichte innerhalb der deutschen Wirtschaft hingewiesen werden. Als nach 2007 mit Beginn der Lehmann-Brother-Pleite auch die deutsche Wirtschaft ins Wanken geriet, betraf dies nicht nur große Unternehmen, sondern vor allem den Mittelstand. Immerhin sind 70% aller deutschen Arbeitsplätze im Mittelstand, meist persönlich haftenden Familienunternehmen, angesiedelt. Um Entlassungen zu vermeiden, wurden in vielen Unternehmen zeitlich begrenzte Einkommensreduzierungen und Abbau von Sozialleistungen beschlossen. Beide Seiten, Unternehmer und Arbeitnehmer, leisteten dadurch ernomen Verzicht. MIt anspringender Konjunktur wurden diese betrieblichen Einzelvereinbarungen wieder zurückgefahren. Die ungeheure soziale Wirkung, die dieses Bündniss für Arbeit hatte, ist bis heute im Bewußtsein der deutschen Öffentlichkeit, auch in der Politik, nicht wirklich angekommen. Ebenso wenig die positive Bedeutung für die Rentenkassen. Wer im Alter nicht von Armut bedroht sein will, braucht einen entsprechend auskömmlich bezahlten Arbeitsplatz. Und nur wer ausreichend verdient, kann neben der Abgabe von Sozialleistungen zusätzlich private Rücklagen für die Altersrente leisten. Die Zukunft der deutschen Rentenversicherung liegt in der Wirtschaftskraft und Stabilität des deutschen Mittelstandes und seines sozialen Verantwortungsbewußtsein. Ein wenig mehr dieses Bewußtseins stünde Großunternehmen auch gut zu Gesicht. Sicherlich gilt die Verpflichtung der wirtschaftlich Verantwortlichen in Großunternehmen dem Aktionär, aber in der Regel sind Arbeitnehmer nicht wirklich die Aktienbesitzer der Unternehmen. Die immer deutlicher werdende Umverteilung des Vermögens mit zunehmender Armut in Teilen der Gesellschaft kann am Ende aber auch nicht im Interesse großer Unternehmen liegen. Auf die Dauer entstehen bleibende Schäden für die Volkswirtschaft und damit für die Gesamtgesellschaft.  

Hoffen wir also nicht auf umverteilende Rentenreformen, setzen wir auf eine deutsche Wirtschaft, die allen faire Teilhabe am Ertrag ermöglichen. An dieser Stelle sollten wir von der Politik Fordernugen der Einflussnahme stellen, egal, wie sich Regierungen in Zukunft parteipolitisch zusammensetzen. 

Was unsere zufriedenen Kunden über uns sagen

Aktuelle Bewertungen zufriedener Kunden für bfh Finanzhaus Berlin GmbH auf KennstDuEinen.de.

bfh Finanzhaus Berlin

Versicherungs- und Finanzberatung seit über 40 Jahren in Berlin.
Wir sind für Sie da, mit Objektivität, Fairness und Freude an der Zusammenarbeit mit Ihnen!
Ihre Zufriedenheit ist unser Verdienst.
Mehr lesen