Krank im Ausland

Auslandskrankenschein, Reisekrankenversicherung, Sozialversicherungsabkommen....wofür stehen diese Begriffe?

11.01.2018
aktualisiert am 11.01.2018

Themen:
Krankenversicherung, Reiseversicherung

Das Hessische Landessozialgericht veröffentlicht ein Urteil zu Krankheitskosten im Ausland. An diesem Urteil lassen sich übliche Missverständnisse über die Absicherung bei Krankheit im Ausland klären (Az.: L 8 KR 395/16).

Die im Rahmen einer gesetzlichen Familienversicherung mitversicherte Tochter einer gesetzlich versicherten Frau verbrachte gemeinsam mit der Mutter einen Urlaub in der Türkei. Die Tochter erkrankte an einer Margen-Darm-Entzündung, in deren Folge ihr Körper dehydrierte. Der Arzt des Hotels lies die Tochter mit einer Ambulanz in eine nur drei Kilometer entfernte Privatklinik einweisen. Dort wurde die Tochter behandelt, im Wesentlichen mit Infusionen zur Flüssigkeitszufuhr. Die fürsorgliche Mutter hatte sich vor Reiseantritt von ihrer gesetzlichen Krankenversicherung einen Auslandskrankenschein aushändigen lassen. Die Privatklinik forderte von der Mutter dennoch einen Rechnungsbetrag von fast 2.300,-€. Diese Kosten reichte die Mutter nach der Rückkehr bei ihrer Krankenkasse ein. Diese war jedoch nur bereit, einen Betrag von gut 300,-€ zu erstatten.

Urteil des Hessischen Landessozialgerichts

Der Fall landete vor Gericht und wurde letztlich vom Hessischen Landessozialgericht entschieden, zu Gunsten des gesetzlichen Krankenversicherung. Zwar besteht zwischen der Türkei und der Bundesrepublik Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen, das grundsätzlich die Bezahlung von Sozialleistungen im Falle einer Krankheit regelt, die Höhe der Forderung sei aber größtenteils in der privatärztlichen Behandlung der Privatklinik begründet. Der Auslandskrankenschein sichert aber nur Leistungen staatlicher Träger ab. Es hätte die Möglichkeit bestanden, die Tochter, die bereits im Ambulanzfahrzeug mit Infusionen behandelt wurde, in das auch nur 12 Kilometer entfernte öffentliche Krankenhaus zu fahren. Die Kosten, die dort entstanden wären - gut 300,-€ - seien von der Krankenkasse zu tragen. Der Restbetrag ginge zu Lasten der Klägerin.

Wer leistet was?

Der Auslandskrankenschein deckt in der Regel die Kosten ab, die bei notwendigen Behandlungen im Ausland entstehen und den Kostenhöhen einer hiesigen Behandlung entsprechen. Differenzen hat der Versicherte dann selbst zu tragen, erst Recht, wenn die Behandlungskosten durch privatärztlich durchgeführte Leistungen entstehen. Bedingung für die Übernahme der Kosten ist grundsätzlich die Notwendigkeit einer Behandlung durch den Gesundheitszustand des Patienten. Man kann also nicht eine zeitlich variable Behandlung statt in Deutschland im Ausland vornehmen lassen. Diese Regelung gilt selbstverständlich auch für die Reisekrankenversicherung.

Zwar haben etliche Staaten mit der Bundesrepublik Deutschland Sozialversicherungsabkommen, aber wer kennt die schon alle. Und im oben genannten Fall bot der Auslandskrankenschein der gesetzlichen Versicherung nur einen Teilschutz. Eine Reisekrankenversicherung für die Dauer eines Jahres kostet für eine Einzelperson meist weniger als 10,-€! Sie hätte im Bedarfsfall auch die privatärztlichen Leistungen übernommen. Die Kostenübernahme der privaten Reisekrankenversicherung setzt übrigens keine Sozialversicherungsabkommen voraus und deckt nahezu weltweit Versicherungsschutz ab. 

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