Aktienrente als Finanzierungsmodell

FDP-Vorschlag zur Finanzierung der gesetzlichen Rentenzahlung

Themen:
Gesetzliche Rentenversicherung

Rentenreformen sind so aktuell wie die gesetzliche Rente alt ist. Spätestens seit klar ist, dass immer mehr Rentner von immer weniger Beitragszahlern finanziert werden müssen, ist die Diskussion über Rentenreformen hektisch. Das ist gut nachvollziehbar, denn der Staat muss aus Steuermitteln immer mehr zur Stützung der Rentenkassen beitragen. Nun hat die FDP eine neue Initiative in die Diskussion gebracht, die Aktienrente.

Unsinn, oder längst überfällig?

Der FDP-Politiker Johannes Vogel hat in der letzten Woche ein interessantes Finanzierungsmodell zur Stützung der gesetzlichen Rentenkassen vorgestellt. Es ist die Umsetzung einer seit langem geforderten Innovation und daher nicht wirklich neu. Neu dagegen ist die Ausformulierung eines beschreitbaren Weges zur Umsetzung einer systematischen Änderung in der Rentenfinanzierung. Vorausgeschickt werden muss aber zunächst noch einmal, dass bis heute die Finanzierung der Renten im Umlageverfahren erfolgt, bezuschusst von immensen Summen aus dem Steuersäckel. Was heißt das? Heutige Beitragszahler finanzieren direkt die Auszahlung der gegenwärtig gezahlten Rente. Die eingezahlten Beitragsgelder werden also nicht renditeorientiert angelegt. In der Konsequenz bedeutet dieses Verfahren, dass heutige Beitragszahler also nicht "sparen", sondern zur Finanzierung ihrer eigenen Rente in Zukunft auch wieder auf die dann Beitrag zahlenden Arbeitnehmer und Arbeitgeber angewiesen sind. Seit langem schon wird zur Zukunftssicherung der Renten eine Anlagefinanzierung gefordert. Wie soll diese aber erwirtschaftet werden, wenn die eingenommenen Beiträge direkt wieder ausgezahlt werden?

Lange Übergangsphase

Falls zeitnah mit einer Änderung des Finanzierungssystems begonnen wird, kann das nur ein sowohl als auch bedeuten und damit eine lange Übergangsphase. Vogel schlägt vor, dass alle Arbeitnehmer eine 2%ige Gehaltsabgabe leisten und der Staat diese in einem Staatsfond auf Aktienbasis anlegt. Zusätzlich müssen Teile der fortlaufend geleisteten Beitragszahlungen ebenfalls in diesem Fond angelegt werden. Die breite Streuung der Anlage und ihre Langfristigkeit schützen vor Verlust und sichern stabile Gewinne. Das macht Sinn, denn endlich würden Beiträge in Zukunft ein Wachstum aufzeigen. Es stellen sich aber zwei Fragen. Ältere Beitragszahler, die zwar auch Mehrabgaben leisten müssten, würden aber wegen des nur geringen Zeitraums bis zur Verrentung, keine Gewinne erwarten können. Das zweite Problem liegt in der Finanzierung der Anteile, die von den laufenden Beitragszahlungen in den Fonds eingelegt werden. Sie würden ja im Rahmen des direkten Umlageverfahrens bei der laufenden Auszahlung der Renten fehlen und vermutlich den Anteil der Staatszuschüsse der Renten erhöhen. Vogel weist in der Beantwortung der Probleme auf die notwendige Langfristigkeit der Übergangsphase hin. Zunächst müsse der Staat seine Anstrengungen erhöhen, könne aber mit zunehmender Gewinnakkumulation aus der Zusatzfinanzierung der Renten aussteigen, da nach ca. 20 Jahren der Einlagenstock in Verbindung mit den bis dahin aufgelaufenen Gewinnen die Rente ohne Staatshilfen sichern würde. 

Der Ansatz ist zweifellos richtig. Viele Länder in Europa praktizieren ja bereits ähnliche Modelle und haben mit ihrer Rentenzahlung geringere Probleme als wir Deutsche. Andererseits ist dieses Vorgehen so etwas wie die Operation am offenen Herzen: das alte Modell muss irgendwie weiterlaufen, während das andere Modell zeitgleich implementiert wird. In der Konsequenz kann das nur ein Langzeitprojekt sein, weil ja nicht mit einem Mal von irgendwo her eine riesige Anlagesumme zur Verfügung steht. Aber je später damit begonnen wird, die Finanzierung der Rente vom Umlageverfahren auf eine Renditebasis umzustellen, um so schwieriger würde der Weg. Die demographische Entwicklung der nächsten zwanzig Jahre weist ja immer weiter in Richtung des Missverhältnisses von Beitragszahlern und Rentenempfängern. Zum Handeln besteht keine Alternative. Die Politik sollte sich mit diesem Ansatz schnell und intensiv beschäftigen. Rentenreforem, die immer nur Beträge neu definieren und von links nach rechts schieben, produzieren kein Geld, sondern kosten Geld!  

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