Berufsunfähigkeit - der Begriff

Ein vieldeutiger Begriff, der in seiner Verwendung häufig missverstanden wird

Themen:
Berufsunfähigkeit

Durch die uneinheitliche Verwendung des Begriffes "Berufsunfähigkeit" entsteht ein diffuses Bild eines existenziellen Risikos von Berufstätigen. Dadurch erkennen viele potentiell Betroffene ihr eigenes Risiko gar nicht oder nur unzutreffend. Zusätzlich besteht Verwirrung in der Abgrenzung zu den Begriffen "Erwerbsunfähigkeit" und "Invalidität"

Der Begriff "Berufsunfähigkeit" bezeichnet den medizinischen Status und die daraus entstehende Einschränkung eines Arbeitnehmers in Bezug auf seine Tätigkeit. Entscheidend dabei ist, dass der Grund für diese Einschränkung sowohl krankheits- wie auch unfallbedingt sein kann. Entscheidend für die Anwendung des Begriffs ist das Berufsbild eines Arbeitnehmers und der Umfang, in dem diesem Berufsbild in der Tätigkeit nicht mehr entsprochen werden kann. Das klingt deshalb ein wenig kompliziert, weil eine berufliche Tätigkeit aus vielen, sehr unterschiedlichen Handlungen bestehen kann und nicht nur immer aus ein und derselben "Handbewegung". Da die Feststellung einer Berufsunfähigkeit voraussetzt, dass eine bestimmte Berufstätigkeit zu 50% und mehr nicht mehr ausgeübt werden kann, erklärt sich daraus die Notwendigkeit, das gemeinte Berufsbild in seiner Ganzheit zu beschreiben. Für einen Vertriebsleiter, der ausschließlich im Außendienst tätig ist, hat die Fähigkeit, Auto zu fahren, einen anderen Stellenwert als für einen planenden Ingenieur, den sein Chef von Zeit zu Zeit bittet, auch mal einen Termin außerhalb des Unternehmens wahrzunehmen. Wer also zu 50% und mehr das Berufsbild seiner Tätigkeit nicht mehr erfüllen kann, gilt als berufsunfähig. Soweit der Begriff. Die oft mit  diesem Begriff verwechselte "Erwerbsunfähigkeit" besagt dagegen, dass ein Arbeitnehmer durch Unfall oder Krankheit nicht mehr in der Lage ist, jedweder Tätigkeit nachzugehen. So ein Fall läge z.B. vor, wenn nach einem Unfall mit Bruch eines Halswirbels und kompletter Lähnung eine Person völlig handlungsunfähig wäre oder z.B. eine psychische Erkrankung keinerlei Erwerbstätigkeit mehr zulässt. Der Begriff der Invalidität beschreibt in der Regel in einer %-Angabe die Einschränkung, die ein Mensch durch Unfall oder Krankheit in seiner gesamten Handlungsfähigkeit erlitten hat. Die kann eine Bedeutung für die Leistungen der privaten Unfallversicherung haben, der gesetzlichen Unfallversicherung oder für die Inanspruchnahme von staatlichen Zuwendungen und Vergünstigungen in der Nutzung öffentlicher Angebote. Für die Definition einer Berufsunfähigkeit hat der Grad einer Individualität keine Bedeutung. Uns interessiert in Bezug auf die Berufsunfähigkeit der Umfang an Versicherungsleistungen und vor allem die staatlichen Regelungen der Bemessung im Unterschied zu den Leistungen, die aus privaten Berufsunfähigkeitsversicherungen gezahlt wird. Zum 01.01.2001 hat der Staat die Regelung zur Berufsunfähigkeit nämlich neu festgelegt, und das mit weitreichenden Konsequenzen. Zum einen hat er den Begriff "Berufsunfähigkeit" gänzlich gestrichen und durch den Begriff "Erwerbsminderung" ersetzt, zum anderen hat er eine sogenannte "abstrakte Verweisbarkeit" auf andere Tätigkeiten eingeführt. Der Begriff der Berufsunfähigkeit ist dadurch aber nicht bedeutungslos geworden, da die private Versicherungswirtschaft die staatliche Neudefinition "Erwerbsminderung", die eine starke Leistungseinschränkung mit sich brachte, nicht mit gemacht hat. Erhielt ein Arbeitnehmer vor 2001 bei Berufsunfähigkeit staatlicherseits eine Rentenleistung in einer Höhe, die fast an die spätere, hochgerechnete Altersrente kam, sind die Leistungen aus der Erwerbsminderungsrente verhältnismäßig klein. Private Berufsunfähigkeitsversicherungen versichern immer noch die Tätigkeit in einem konkreten Beruf nach der oben dargestellten 50% Regelung. Nur die Kombination staatlicher Erwerbsminderungsrente mit Leistungen aus einer privaten Berufsunfähigkeisversicherung kann die Weiterführung des gewohnten Einkommensniveaus sichern. Wie aber definiert und rechnet sich die staatliche Erwerbsminderung und wie hoch muss dann eine private Ergänzung sein? Dazu morgen mehr! 

Stimmen Sie ab! Wie gefällt Ihnen diese Seite?

Durchschnittlich 0 von 5 Sternen (0 Bewertungen)

Kommentare (0)

Neuen Kommentar schreiben:

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!





Erlaubte Tags: <b><i><br>Kommentar hinzufügen:


Gute Bewertungen sind die besten Empfehlungen.

Das sagen unsere Kunden über uns:

makler.de - Mit Sicherheit gut beraten

bfh Finanzhaus Berlin

Versicherungs- und Finanzberatung seit über 40 Jahren in Berlin.
Wir sind für Sie da, mit Objektivität, Fairness und Freude an der Zusammenarbeit mit Ihnen!
Ihre Zufriedenheit ist unser Verdienst.
Mehr lesen

Liebe Kunden,
das Finanzhaus Berlin hat zum 01.01.2021 seine Arbeitsweise grundlegend und dauerhaft geändert. Das Agentur-Büro ist für den Publikumsverkehr geschlossen. Zu all Ihren Anliegen können Sie uns telefonisch, per E-Mail oder via online-Chat erreichen.

Sie erreichen uns wie gewohnt Montag bis Freitag von 9.00 - 17.30 Uhr

Wir freuen uns auf Ihren Anruf unter
030 300 109 0

Ihr Finanzhaus Team