Deutschland spezial - schon Goethe kannte die zwei Seelen in der Brust

Alle wollen sie, aber keine will die Konsequenzen tragen: Klimapolitik im Widerspruch

Themen:
Staat, Gesellschaft

"Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust..." lässt schon Goethe seinen Faust, den Archetypus des zerrissenen Deutschen, sagen. Und tatsächlich! In der Klimadebatte sind wir alle wieder ungeheuer deutsch und faustisch. Wir werfen einen Blick auf ein wahrlich interessantes Phänomen, oder sollte es besser "beängstigendes Problem heißen"?

Das gespaltene Klimabewußtsein

Fast 68% der Deutschen wollen ein beherztes Eingreifen der Politik in die Entwicklung, die der Klimawandel nimmt. Dabei geht den meisten das eben erst gepackte und nun sogar schon wieder verkleinerte Klimapaket der Bundesregierung nicht weit genug. Das spiegelt doch eine belastbare Bewußtseinslage unserer Gesellschaft. Fragt man jedoch nicht nach der Notwendigkeit von Maßnahmen, sondern nach der Bereitschaft, dafür unangenehme Konsequenzen in Kauf zu nehmen, schrumpft die Zahl derer, die dennoch für einschneidendes Handeln sind, auf 24%! Wie? Die Mehrheit ist für radikales Handeln, doch nur eine kleine Minderheit will dafür Konsequenzen hinnehmen? 

Sachlage

Der Umbau unserer Gesellschaft für eine Zukunft ohne CO2, was bis 2050 erreicht sein soll, hat natürlich weitreichende strukturelle Konsequenzen. Der Ausbau der Energiegewinnung aus Sonne und Wind müßte verdoppelt bis verdreifaht werden. Aber kaum jemand will ein weiteres Windrad akzeptieren, Hochleitungstrassen, die Offshore-Energie von Nord nach Süd transpotieren, schon erst gar nicht. Für die einen "leidet" die Landschaft, für die anderen sinkt der Wert ihrer Immobilie in der Nähe solcher Einrichtungen. Als Ergebnis gibt es in Deutschland zur Zeit etwa 1.000 Bürgerinitiativen, die der Energiewende in ihren Einzelmaßnahmen gerichtlich das Fortschreiten behindert. Natürlich ist man für den Ausstieg aus Atom und Kohle, aber bitte ohne Folgen, zumindest für mich! 

Unangenehme Nebenwirkungen

Diese wollte bereits der viel zitierte Bär vermeiden, als er forderte: wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass! Es scheint, es handelt sich bei diesem Widerspruch um kein neues Phänomen. Schon Goethes Faus klagte über die zwei Seelen in der Brust. Und wir alle kennen unendliche Diskussionen um die Standortwahl, wenn es um Autobahntrassen, Startbahnen oder ganze Flughäfen geht. Jeder will eine schnelle Anbindung an den Verkehr, aber bitte ohne Veränderung der unmittelbaren Umgebung. Paradox. Und die Frage sei erlaubt, wie eine Regierung ihre Entscheidungen treffen soll, wenn fast alle irgendwie dafür sind , aber auch fast alle irgendwie dagegen. Die Bevölkerung "mitnehmen" wird da zur "mission impossible", von der Lösung des eigentlichen Problems ganz zu schweigen.

Aber wir sind nicht allein

Um erst gar keinen Verdacht aufkommen zu lassen: im Folgenden geht es nicht um Diskreditierung oder gar Hähme, aber es muss vielleicht als Trost ausgesprochen werden. In den sozialen Netzwerken mehren sich die Berichte überforderter Eltern von Kindern, die aus tiefer Überzeugung an Gretas Freitagsdemos teilnehmen. Von den Kindern hart in die Pflicht genommen, antworten Eltern mit der konsequenten Haltung, auch die Jugend mit konkretem Verzicht zu konfrontieren. Das erst löst die tatsächlichen Konflikte aus. Auf Fleisch zu verzichten, ist da noch die kleinste Übung, dem 18jährigen das Mitfahren des elterlichen Autos zu verbieten oder die Belöhnungsreise für das bestandene Abitur von Australien mit Bahnfahrt an die Ostsee-Küste zu verlegen, kommt gar nicht gut. Der Hausfrieden ist dann völlig zerstört, wenn der Hinweis erfolgt, dass einer der weltweit größten Energieverbraucher die Serveranlagen des world-wide-web sind, deren Energiekapazität zum großen Teil für völlig schwachsinnig und unnötige streamings im Netz draufgeht. Also Handy aus und Schluß mit "permanent online". 

Ich frage mich aber, warum sollten unsere Kinder etwas leisten, was uns als Erwachsene auch nicht gelingt. Greta, Du tust mir leid! Deine "Freunde" sind so inkonsequent wie deine "Gegner" - und vermutlich Du selbst. Wer sagt jetzt den nächsten sinnvollen Satz über unsere Zukunft? Freiwillige vor!

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