Die deutsche Wirtschaft - das ist der Mittelstand

Die Kapitalismus-Kritik der letzten Tage fordert einen genaueren Blick auf die deutsche Wirtschaft

Themen:
Wirtschaft, Gesellschaft, Mittelstand

Wer sich mit kritischen Fragen zur freien Marktwirtschaft, zur sozialen Marktwirtschaft oder gar deren Grundlage kapitalistischer Wirtschaft beschäftigt, kommt ohne eine differenzierte Betrachtung nicht an den Punkt brauchbarer Einsichten. Dabei spielt vor allem der deutsche Mittelstand eine herausragende Rolle und zwar eine außerordentlich positive.

Um es gleich vorweg zu sagen: die kapitalistische Form der Wirtschaft ist ohne Zweifel die produktivte und effektivste Art wirtschaftlichen Handelns, die es gibt. Sie schafft Mehrwert, der als Verteilungsmasse Grundlage der Finanzierung und Teilhabe aller an der Gesellschaft dient. Alle sozialistischen Formen sind bis heute daran gescheitert. Gleichwohl neigt ein freier, ungeregelter Markt national wie international zu Exzessen. Denken Sie an die Bankenkrise 2007/8, die Immobilienblase als deren Auslöser, die existenzbedrohende Ausbeutung unseres Planeten aus unendlicher Gier nach Profitmaximierung, selbst der deutsche Immobilienmarkt steht nicht außen vor. Immerhin mehren sich die Stimmen wichtiger Wirtschaftsexperten, allesamt nicht Vertreter linker Positionen, die diese Tendenzen annahmen und auf die Idee der sozialen Marktwirtschaft verweisen, die in Deutschland unter Ludwig Erhardt in den 60iger Jahren zum gesellschaftlich-wirtschaftlichen Erfolgsmodell wurde, seit 20 Jahren aber mehr und mehr dem reinen Wahn der Ertragssteigerung zum Opfer fiel. Kritik am Kapitalismus kann also durchaus berechtigt und überaus notwendig sein.

Der deutsche Mittelstand - ein unglaubliches Erfolgsmodell

Ein Blick auf die deutsche Wirtschaft läßt ein buntes, uneinheitliches Bild erkennen. Wir finden den öffentlichen Sektor im Auftrage des Staates, der Länder und Kommunen Handelnder, international agierende Großkonzerne und einen breiten Mittelstand. Und dieser Mittelstand ist es, der in Deutschland 70% aller Arbeitsplätze schafft. Das allein ist erstaunlich und verlangt einen noch genaueren Blick. In der Bandbreite von Unternehmen mit 5 -1.000 Beschäftigten nehmen Dienstleistungsunternehmen einen eher geringen Platz ein. Leider fällt in diesen Sektor aber das Problem des kaum mehr tolerablen Niedriglohns. Da ist ohne Zweifel politischer Handlungsbedarf, da sich sowohl in Deutschland wie im Ausland gezeigt hat, dass die Anhebung des Mindestlohns nicht zum prognistizierten Arbeitsplatzverlust und den entsprechenden Insolvenzen geführt hat.

Der größte Teil der mittelständigen Wirtschaft entfällt aber auf den produzierenden Sektor und was uns der Blick dort zeigt, ist gewaltige Erfolsggeschichte mit dem Resultat weltweiter Alleinstellung. Kein Land der Welt besitzt einen vergleichbaren wirtschaftlichen Mittelstand! Die Basis dafür ist ein weltweit bisher unerreichtes Qualitätniveau aus Ingenieursleistung und Maschinenbautechnik! Das ist der eigentliche deutsche "Rohstoff", wie wir ihn in den international agierenden Autokonzernen nicht mehr vorfinden. Das lukrative Modell des Abverkaufs fossiler Verbrennungsmotoren war zu verführerisch, hat satt und bequen gemacht. Im Mittelstand kommen solche "Sättigungsphasen" durch die geringeren Handelsvolumina nicht vor. 

Man lasse es sich auf der Zunge zergehen: mehr als 1.000 deutsche Mittelständler sind in den von ihnen repräsentierten Wirtschaftssparten weltweite Marktführer. Damit steht Deutschland weltweit allein an der Spitze. Und diese Unternehmen sind es die durch ihre Firmenstruktur das eignentliche Steuervolumen dieses Staates abführen. Hinzu kommen gut bezahlte Arbeitsplätze mit Arbeitnehmern, die so auch zum Steuer- wie zum Sozialaufkommen beitragen. Der Mittelstand ist die eigentlich tragende Achse der deutschen Wirtschaft.

Der Mittelstand - das Stiefkind der deutschen Wirtschaftspolitik

Vor dem Hintergrund des eben Dargestellten ist es nur schwer zu erklären, warum der deutsche Mittelstand das Stiefkind der deutschen Wirtschaftspolitik darstellt. Vielleicht sind mediale Ereignisse nicht genauso wirksam darzustellen wie spektakuläre Auftritte von Politikern bei Großunternehmen. Vielleicht herrscht in der Öffentlichkeit immer noch die Meinung: big is beautiful und dem Image "Globalplayer" haftet immer noch der Mythos "Macht" an. Ökonomisch ist das eine Fehlbetrachtung!

Diese stiefkindliche Behandlung hat sich mittlerweile zu einer existentgefärdenden Kindesvernachlässigung entwickelt. Seit Jahren wartet der Mittelstand auf eine immer wieder angekündigte Steuerreform, die vor allem die Abschreibungsmöglichkeiten neu regelt, was den Weg zu Investitionen freisetzten würde. Die Frage der Energiekostenhöhe wartet seit langen auf Antwort. Der 5G Ausbau stockt, bzw. ist in der Aufteilung zwischen Staat und Ausbauanbietern kontraproduktiv geregelt. Die Förderung der Wissenskompetenz, Basis des mittelständischen Erfolgs, ist schmalspurig und weit hinter den Bemühungen im internationalen Vergleich zurück. Die Investition zur mittelständischen Entwicklung digitaler Technologien haben die größe der Portokasse anderer internationaler Forschungseinrichtungen. Geht diese Tendenz weiter, wickelt die deutsche Wirtschaftspolitik den deutschen Mittelstand langsam ab. Ja, man muss es laut aussprechen: Deutschlands politische Elite ist in den letzten Jahren auf der noch gerade anhaltenden Welle einer nicht von ihr ausgelösten Form internationalen Wachstums eingeschlafen - und das in sowohl ökonomischer wie in ökologischer Hinsicht! Kevin Kühnert und Greta Thunberg haben vielleicht die falschen Antworten, aber ihre Fragen haben ihre Berechtigung. Das wird ein böses Erwachen! Aber scheinbar gilt er immer noch, der alte Satz: es tut erst weh, wenn´s weh tut!   

 

 

 

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