Die ganze Wahrheit

Die Niedrigzinspolitik der EZB hat viele Konsequenzen

Themen:
Finanzpolitik, Wirtschaft, EZB

Was den einen freut, ist des anderen Leid! Die Niedrigzinspolitik der EZB hat viele Konsequenzen. Der Staat spart, für Sparer lohnt sich das Sparen dafür nicht mehr! Der Blick auf das "ganze Bild" liefert drei Wahrheiten.

Vor zwei Tagen wurde an dieser Stelle bereits auf die Tatsache hingewiesn, dass sich langfristig Ertrag auf angelegtes Geld nur noch mit Investitionen in den Aktienmarkt erwirtschaften lässt. Die Niedrigzinspolitik der EZB bietet dafür keine echte Alternative, da von einem baldigen Ende dieser Tendenz nicht auszugehen ist. Heute soll ein Blick auf das ganze Bild der EZB-Politik geworfen werden.

Erste Wahrheit

Der geringe Leitzins hat in den Jahren seit 2008 bis 2018 dem deutschen Sparer gegenüber den Vorjahren einen Zinsausfall in Höhe von knapp 300 Milliarden beschert. Zinsgebundene Anlagen sind heute "Geldgräber", die nicht einmal mehr den Inflationsausgleich erwirtschaften. Viele Vorsorge-Verträge zur Alterssicherung sind unter Druck und haben einen enttäuschenden Renditeverlauf. Der "kleine Mann" blutet.

Zweite Wahrheit

Der Deutsche Staat hat in derselben Zeit für seinen Schuldendienst wegen des Niedrigzins knapp 370 Milliarden weniger aufbringen müssen. Das ist gut, keine Frage, so kann man Schulden abbauen und braucht nur wenige Schulden zur Staatsfinanzierung aufnehmen. Das bedeutet aber auch, dass die immer wieder beschworene "schwarze Null" des Bundeshaushalts nicht nur einer klugen Ausgabenpolitik geschuldet ist, sondern dem Sondereffekt des niedrigen Leitzins. Der Bundeshaushalt hatte im Jahr 2018 sogar einen steuerlichen Überschuss. Was den Sparer belastet, entlastet den Staat - und der Staat sind am Ende wir alle. Dennoch, man kann es nicht anders sagen, haben die Zinssparer am Ende die "Zeche" gezahlt. Da bleibt ein schlechter Nachgeschmack.

Dritte Wahrheit

Was für Deutschland gilt, gilt auch für alle anderen Staaten der EU. Tatsächlich sparte Frankreich im selben Zeitraum 350 Milliarden, Italien 260 Milliarden. Aber die finanziell enge Situation, in der sich beide Länder, vor allem aber Italien befindet, zeigt, dass eben nicht überall so vernünftig mit den Einsparungen umgegangen wird, wie in Deutschland. Das Entgegenkommen des französichen Präsidenten als Antwort auf die Gelb-Westen-Proteste erhöht trotz der Einsparungen die Staatsverschuldung Frankreichs und in Italien werden ohne Bedenken durch Neuverschuldung die Maastricht-Kriterien beiseite gewischt. Da ist es schon verständlich, wenn der deutsche Finanzminister beim Einrichten eines Euro-Zonen-Budgets große Zurückhaltung an den Tag legt und eher bescheidene Beiträge dazu zahlen will. Solange in der EU keine Bereitschaft zum Einhalten von Finanzregeln besteht, die für alle Mitglieder gelten, solange kann die Gefahr einer "Vergemeinschaftung von Schulden" im Krisenfall nicht ausgeschlossen werden. "Disziplin" ist ein gutes Wort und eine noch bessere Handlungsgrundlage. 

 

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