"Führer" statt "Führung" - Erstaunliches Ergebnis einer Umfrage

Die Politik verliert zusehends ihre Führungsfähigkeit und weckt fragwürdige "Phantasien"

Themen:
Staat, Gesellschaft

Eine mehrjährige französische Studie mit 18.000 Beteiligten aus 27 Ländern hinterfragte die Bedeutung des augenscheinlichen Führungsverlusts demokratischer Parteien und Regierungen. Das Ergebnis ist erschreckend.

Führung schwindet - Führer werden gesucht

Um eines vorwegzunehmen: in diesem Beitrag handelt es sich beim Wort "Führer" nicht um die Idee des Begriffs, wie er sich in der deutschen Geschichte auf so unheilvolle Weise gezeigt hat, zumindest vordergründig nicht. Beängstigend ist, dass sich der Begriff "Führer" nicht eindeutig vom historischen Vorbild trennen läßt und sich damit hintergründig vielleicht doch wieder einschleicht.

Umfrage und Anlass

Das Umfrageinstitut Ipsos aus Paris hat seit 2016 jährlich 18.000 Personen befragt zum Thema "Führungsverlust in Politik und Gesellschaft". Der Anlass der Befragung ist einerseits der in Europa seit Jahren zunehmende Populismus, andererseits der augenscheinliche Verlust des Führungsanspruchs politischer Parteien des traditionellen demokratischen Spektrums. Gesellschaften polarisieren immer mehr, zerbrechen und fallen auseinander und die Politik scheint offensichtlich nicht in der Lage, die Menschen abzuholen. Offengestanden scheinen mittlerweile viele Politiker dies auch gar nicht mehr zu wollen, sondern versuchen, von den populistischen Strömungen selbst zu profitieren. Donald Trump sieht sich gewiss als "Führer" der freien Welt, ohne sich für diese freie Welt zu interessieren, wirtschaftliche Interessen ausgenommen. Boris Johnson demonstriert gerade, was er unter Führung versteht, nämlich autoritäres Durchregieren. Für beide Herren ist Wahrheit dabei ein dehnbarer Begriff. Ähnliches kennen wir aus europäischen Ländern des Ostens, aus der Türkei und aus Asien.

Eine chaotische Welt voller Gefahren

Die instabilen Strukturen der internationalen Politik, die damit verbundenen wirtschaftlichen Schwankungen und ein zunehmender nationaler Egozentrismus begünstigen ein Klima, in dem das Bedürfnis nach personeller politischer Führung lauter wird. Und diese politische Führung wird nicht in Kategorien der jeweiligen Verfassung gewünscht, sondern ausdrücklich zum autoritären überschreiten gesetzter Normen zum Zwecke des "Durchgreifens" aufgefordert. Dies ist das zu 64% von allen Befragten geschilderte politische Wunschbild von Führung. In den meisten Fällen wird dieser gewünschte Führungsanspruch personalisiert, also einer handelnden Frau oder einem handelnden Mann zugerechnet. Aus verfassungskonformer politischer Führung wird also im Wunschbild einer Mehrheit der sich über die Verfassung erhebende Führer. Für Deutschland dürfte das vermutlich nicht zutreffen, sind wir doch mit unserem historischen Vorläufer bestraft genug. Die Studie beschreibt einen Durchschnittswert aller befragter Länder. Dass die Tendenz nach Wunsch einer autoritären Führung aber seit 2016 um 7% zugenommen hat, läßt nichts Gutes erwarten. 

Der überwiegende Teil aller Befragten gab als Motiv an, dass sie in ihrem Land Angst hätten vor "Reichen und Mächtigen" und davor Schutz bräuchten. Was für eine paradoxe gedankliche Entwicklung: sind doch die individuellen "Führer" auf der internationalen Politikbühne wenn auch nicht in jedem Falle reich, so doch in jedem Falle mächtig. Der heutige Amerikanische Präsident trat an mit dem programmatischen Ziel, das reiche Establishment aus der Politik zu verjagen und den "kleinen Mann" wieder in den Focus der Politik zu setzen.  Als nach dem Wahlsieg Donald Trumps die Regierung personell besetzt war, saß am Kabinettstisch die reichste Regierung, die Amerika je hatte. Und mehr als unter Donald Trump haben die Reichen des Landes noch nie von der Politik eines Präsidenten profitiert.    

Ich habe dafür nur eine Erklärung: Schutz und Sicherheit scheinen viel zuviele nicht durch einen starken Rechtsstaat zu empfinden, sondern dadurch, das eine führende Einzelperson die Dreistigkeit besitzt, permanent die Regeln zu brechen, auch wenn es am Ende nicht in ihrem tatsächlichen Interesse liegt.

Auch wenn politische Stellungnahmen nicht zu unserem Geschäft gehören, heute musste es mal sein, weil wir verfassungstreue Demokraten sind!

Hans Heinrich Schreiberling

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