Hassgesellschaft

Was die Sprache über unser Denken verrät

Themen:
Gesellschaft

In unserem Land wird nicht mehr diskutiert, sondern diffamiert, es wird nicht mehr nachgedacht, sondern gedankenlos Position bezogen und dabei ausgegrenzt und verworfen: wer nicht meiner Meinung ist, ist nicht anderer Ansicht als ich, er ist mein Feind. Und wer mir nicht passt, wird gemobbt! Zerbricht unsere Gesellschaft an kommunikativer Willkür und Radikalisierung?

Die Beobachtung

Die Verrohung unserer Gesellschaft ist unübersehbar und sie äußert sich am deutlichsten im Sozialverhalten sprachlicher Handlungen. Dabei scheint die Anonymität als Grundlage der Grenzüberschreitung: heutzutage ist alles erlaubt, man darf sich dabei nur nicht erwischen lassen! Und so ist die Anonymität des Internet die Basis jeder Geschmacklosigkeit, ja, jeder nur denkbaren verbalen Brutalität inklusive der Morddrohung. Anonymität als Anreiz zur Grenzüberschreitung erklärt aber noch nicht die hassgeladene Positionierung, die sich dahinter verbirgt. Eine Erklärung ist schwer, weil sie nur aus vielen Teilaspekten bestehen kann, die zusammenwirken, aber ein paar Vermutungen lassen sich anstellen: die gegenwärtige Gesellschaft definiert den Sinn und Zweck menschlicher Existenz und menschlichen Handelns im Erwerb und Besitz von materiellen Gütern. Ungleich verteilte Mittel und Möglichkeiten spalten dabei die Gesellschaft. Die Wirtschaft selbst spricht in vieler Hinsicht vom ökonomischen Krieg. Durch diesen einseitigen Materialismus ist die Beziehung der Menschen untereinander gänzlich verloren gegangen. Die Idee einer solidarischen Gesellschaft existiert nicht mehr, aus Eigenverantwortung wurde Eigennutz, aus Gemeinsamkeit wurde Einsamkeit. Das Perfide an einer komplett auf maximale Profitsteigerung aufgebauten Gesellschaft ist, dass fast jeder Teilnehmer an diesem Gesellschaftsspiel ein Verlierer ist, weil fast jeder einen findet, der im Verteilungskampf erfolgreicher ist. Gier kennt keine Befriedigung. Die entsolidarisierte Gesellschaft kennt nur Verlierer. Dass der Mensch sich in dieser Entwicklung gegen sich selbst stellt, scheint ihm in der Rastlosigkeit seiner Einbindung ins System nicht bewußt zu werden.

Das Unbewußte artikuliert sich

In der sprachlichen Agressivität unserer Gesellschaft artikuliert sich das Unbewußte, die Angst, die den Menschen in einer oben beschriebenen Gesellschaft befällt. Hass auf das Fremde ist Angst vor dem Fremden. Meine eigene Angst, Opfer zu werden, läßt mich andere zu Opfern machen, meine eigene Enthemmung ist mein Schutzwall! So ist es zu verstehen, wenn beleidigt und gedroht, verachtet und verletzt, gemobbt und verbal vernichtet wird! Populismus ist nicht konstruktiv, Populismus ist gedanklicher Totschlag! Und so erleben wir die allmähliche Segmentierung der Gesellschaft in gegeneinander positionierte Gruppen, die nicht mehr miteinander reden, um ernsthafte Probleme ernsthaft zu lösen, sondern verbal auf einander einzuschlagen. Nicht jeder, der die Haltung für die Umwelt protestierender Schüler hinterfragt, ist ein Klimakiller und gehört mundtot gemacht. Nicht jeder Konservative ist gleichzeitig und automatisch ein Nazi. 

Was zu tun bleibt

Die einzige Möglichkeit, sich gegen diese gedankliche Verarmung und emotionale Verrohung zu stellen, kann nur immer wieder der Versuch sein, dem Gegenüber die Mechanismen bewußt zu machen, klare Grenzen zu formulieren, was Toleranz nicht mehr tolereiren darf und selbst ein eigenes, anderes Verhalten dagegen zu setzen. Es hilft nur die Begegnung von Mensch zu Mensch, das Bemühen um jeden einzelnen. Die Gesellschaft der Individuen muss sich erneuern, unabhängig von der Programmatik der Politik und dem kriegerischen Credo der Wirtschaft. Sollte das nicht gelingen, wird nicht nur unsere Gesellschaft gesprengt, der ganze Globus fliegt uns  dann um die Ohren.  

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