IWF-Studie zur Vermögensverteilung in Deutschland

Hartes Urteil des IWF über die Verteilung von Vermögen in Deutschland

Themen:
Wirtschaft, Gesellschaft

Die Verteilung von Vermögen und Einkommen in Deutschland ist immer wieder einmal Thema in den Polit-Talkshows aller Formate. Genau so regelmäßig treten dabei Vertreter der Wirtschaft auf, die uns erklären, dass alles sozial und gerecht zugehe. Eine Studie aktuelle Studie des Internationalen Währungsfonds stellt nun das genau in Frage.

Die Studie des IWF

Der Internationale Währungsfond ist eine Sonderinstitution der Vereinten Nationen, UN. Ihre Aufgabe ist die weltweite Analyse nationaler Volkswirtschaften, um Staaten, die in ökonomische Turbulenzen geraten, mit finanziellen Hilfsmitteln unter die Arme zu greifen. Zu ihren Analysen gehört natürlich auch die Untersuchung der Volkswirtschaften im Euro-Raum und in der Europäischen Union. Dabei kommt die neueste Studie zu einem markanten Ergebnis in Bezug auf Deutschland. Die Kernaussage ist, dass in keinem anderen Land der EU die Vermögens- und Einkommensverteilung zu einseitig geschieht wie in Deutschland. Im Grunde ist diese Kritik nicht neu, sie wird innerhalb der Bundesrepublik regelmäßig diskutiert und genau so regelmäßig seitens der Wirtschaft als falsch abgetan. Interessant an der Kritik des IWF ist allerdings, dass der IWF eine erzkonservative Finanzinstitution ist und keine "progressiven" politischen Interessen verfolgt. Man sollte die Aussagen des IWF in der "freien Marktwirtschaft" also ernst nehmen!

Die Fakten

Tatsache ist, dass die Vermögens- und Einkommensverteilung in der Bundesrepublik eine Spreizung aufzeigt, die immer mehr zunimmt. Wie kommt das? Zu einer Zeit, da man Deutschland als den "kranken Mann" Europas bezeichnete, zu Recht, entwickelte die damalige Bundesregierung unter Gerhard Schröder die Agenda 2010, die unter anderem die Schaffung eines weiten Niedriglohnsektors zum Ziel hatte. Aus damaliger Sicht eine voll zutreffende Maßnahme, denn "billige" Arbeit war volkswirtschaftlich immer noch besser als die uferlose Ausbreitung von Arbeitslosigkeit. Das Rezept war erfolgreich, auch wenn die SPD heute mit ihren damaligen Entscheidungen fremdelt. 

Seit 2005 gab es aber eine Entwicklung in der Weltwirtschaft, vor allem durch das allmählich beginnende Wachstum in China, die zunehmende Nachfrage mit sich brachte, auch in Deutschland. Die Konjunktur kam in Fahrt, damit auch das Wirtschaftswachstum. Da in Deutschland traditionell das Vermögen recht einseitig verteilt ist und große Bevölkerungsteile ausspart, landeten die Gewinne bei den Vermögenden. Der Billiglohnsektor wurde aber nicht angefaßt, immer mit dem Hinweis auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Sachlich war das richtig und in der Folge entstand eine fast bis heute anhaltende Phase der Prosperität deutscher Wirtschaft. Die soziale Marktwirtschaft bekam aber eine Schlagseite - zu Gunsten der Vermögenden und der eh schon bereits sehr gut verdienenden Oberschicht. Die Mittelschicht sackte immer weiter ab, untere Einkommensgruppen wurden vom Ertag des Wirtschaftswachstum ganz abgeschnitten und mit der Stabilität ihrer gering entlohnten Arbeitsplätze angespeist.

Eingriffe in diese Entwicklung seitens der Politik wurden nicht vorgenommen, wirtschaftlich ging es ja gut, der Staat machte immer größere Steuereinnahmen und vor der sozialen Schieflage wurden die Augen verschlossen, die Arbeitslosigkeit war ja gering - was für ein Erfolg!

Nun hat der IWF deutliche Worte gefunden, wenn er feststellt, dass die Ungerechtigkeit in der Vermögens- und Einkommensverteilung innerhalb der EU ein spzeifisch deutsches Problem darstelle.

Der falsche Zeitpunkt

Das bittere an der Analyse ist, dass der Zeitpunkt, zu dem sie veröffentlicht wird und eine erneute Diskussion über die aus den Fugen geratene soziale Marktwirtschaft in Deutschland auslösen könnte, genau mit dem Beginn einer weltweiten rezessiven Phase zusammenfällt, wo Umverteilung und Verteuerung von Arbeit sich kontraproduktiv auswirken könnte. Die momentane Situation scheint zum Handeln verfahren zu sein, nicht aber zur Diskussion und Analyse der letzten 20 Jahre. Fakten sollten als solche festgestellt und für spätere Entwicklungen festgehalten werden. Hinzu kommt, dass eine immer wiederholte falsche Festschreibung sozial ungerechter Arbeitsverhältnisse gegen jede Objektivität zu einer Verdrossenheit führt, die unsere Gesellschaft gerade jetzt nicht gebrauchen kann. Zumindest Anerkenntnis der Fakten wäre ein Anfang!

Mit besten Grüßen an die deutsche Wirtschaftselite 

Hans-Heinrich Schreiberling

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