Silberstreif am Horizont oder falsche Wahrnehmung?

Die Wirtschaft erholt sich ein wenig - doch das allein ist noch keine Botschaft

Themen:
Gesellschaft, Wirtschaft, Staat

Die deutschen Wirtschaftsinstitute registrieren ein allmähliches Wachstum der Wirtschaft. Ohne Blick auf die Zusammenhänge ist dies eine leicht irreführende Botschaft, die in falscher Sicherheit wiegt. Zu viele schauen auf die Pandemie und ihre Konsequenzen mit zu leichtfertigem Blick.

Was die Zahl bedeutet

Die deutschen Wirtschaftsinstitute stellen für den Monat Juni ein Wachstum von 2-3 % fest. Klingt erstmal gut, ohne Frage, aber was bedeutet das konkret? Gehen wir davon aus, dass durch den shutdown geschätzt ein Defizit von 8-10% am Bruttoinlandsprodukt für das Jahr 2020 verbleiben wird, so klingt Wachstum von 2-3% schon leider gar nicht mehr so viel. Vieles gilt es zu beachten, um der Zahl ein Gesicht zu geben. Die Wachtumsgröße bezieht sich rechnerisch nicht auf das ursprünglich prognostizierte BIP, sondern auf das Niveau nach dem shutdown, was immerhin gut 3 Monate Ausfall der gesamten Wirtschaftleistung bedeutet und daher als Bezugsgröße geringer als normal ausfällt. Ein Wachstum gegenüber "Stillstand" ist wohl auch durchaus zu erwarten, was widerum zeigt, dass die Nachricht vom leichten Aufschwung wenig spektakulär ist. Schaut man sich einzelne Branchen genauer an, sieht das Bild eher trostlos aus. Die Autoindustrie und der Maschinen- und Anlagenbau verzeichnen Einbrüche bis zu 40% und mehr, was sich entsprechend auch in den Exportzahlen niederschlägt. Immerhin erzielt die deutsche Wirtschaft fast 40% ihres Umsatzes aus Exporten. Auch die kurzzeitige Aufhebung der Insolvenzmeldepflicht bis zum Herbst verzerrt das Bild. Viele Unternehmen, die jetzt bereits insolvent sind, werden erst zum Jahresende also solche wahrgenommen werden und irgendwann sind alle Stützungsmaßnahmen des Staates finanziell verbraucht. Wie viele Arbeitnehmer von den 10 Millionen, die gegenwärtig durch das Kurzarbeitergeld nicht aus Unternehmenserträgen entlohnt werden, sondern vom Arbeitsamt langfristig an ihre alten Arbeitsplätze zurückkehren, bleibt auch noch abzuwarten. Vor diesem Gesamtzusammenhang erscheint ein schwaches Wachstum um 2-3% bestenfalls als Zeichen der Hoffnung, keinesfalls als beruhigendes Signal für die nahe Zukunft.

Blick auf die Wirtschaftspartner

Die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von ihren internationalen Handelspartner wurde ja bereits angesprochen. Blicken wir nach Amerika und auf unsere europäischen Partner, scheinen wir von dort kaum stimulierende Effekte erwarten zu dürfen. In Amerika galoppiert die Corona-Pandemie wie sonst nur in Staaten der dritten Welt, unsere europäischen Nachbarn sind ökonomisch geschwächter als wir selbst. Damit wird auch der "Tunnel" bei uns noch lange dunkel bleiben, bis sich am Ende Licht zeigt. Was der europäische Rettungsfond vermag, kann zur Zeit noch gar nicht beurteilt werden. Auch in dieser Hinsicht herrscht eher das Prinzip Hoffnung bei de facto hoher Investition auf Schuldenbasis.

Völlig unverständlich erscheint in diesem Kontext die Sorglosigkeit vieler Menschen, nicht nur bei uns, die nach oftmals zu kurzem shutdown mit der Pandemie umgehen, als gäbe es sie gar nicht mehr. Schauen wir auf die Länder, die viel zu früh wieder versuchten, ihre Wirtschaft anzufahren, treffen wir nahezu überall auf die zweite Pandemiewelle. Corona ist nicht vorbei, Corona wird bleiben und darauf müssen wir uns in unserem Alltagsverhalten einstellen. Überfüllte Strände und Party-Zonen weisen dabei den besten Weg in den Abgrund, nicht nur individuell und medizinisch, sondern auch Volkswirtschaftlich. Sollte ein geringer, aber dennoch entscheidender Teil unserer Gesellschaft erst aufwachen, wenn es wieder mal zu spät ist, haben wir alle miteinander unsere Zukunft verspielt. Liebe "Aluhüte", die ihr allesamt nicht an die Nachrichten der öffentlich-rechtlichen Glaubt, weil ja alles gefälscht ist, ihr scheint keine Freunde im Ausland zu haben. Ich schon! Und wenn ich mit denen telefoniere, erfahre ich weit Schlimmeres, als es in unseren Medien erscheint. Wer das Elend der Pandemie mit eigenen Augen sieht oder selbst direkt betroffen ist, spricht darüber nicht so moderat, wie es unsere Nachrichtensprecher machen. Dann würdet auch ihr das Entsetzen pur erleben. Wacht endlich auf!     

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