Woher kommen Wut, Hass und Gewalt in unserer Gesellschaft?

Die zunehmende Aggressivität in unserer Gesellschaft darf keine Toleranz erfahren. Man muss sie aber verstehen!

Themen:
Gesellschaft, Staat

Unsere Gesellschaft wird immer mehr von Wut, Hass und Gewalt bedroht. Toleranz und Gleichgültigkeit sind falsche Antworten, denn das Gewaltmonopol liegt in unserer Demokratie ausschließlich beim Staat. Um sinnvoll und wirksam zu reagieren, muss diese schreckliche Entwicklung zunächst jedoch verstanden werden. Hier ein Versuch.

Der große historische Einschnitt

Eigentlich beginnt alles mit dem Fall der Mauer, faktisch wie symolisch, denn was sich da 1989 in Ost-Deutschland ereignet, kennzeichnet den Beginn einer Zeitenwende, die zwar mit dem Fall der "Mauer" beginnt, aber erst mit dem Zerfall der Sowjetunion endet. Die alte Weltordnung in Ost und West war Geschichte. Die Welt stand am Anfang einer neuen Epoche, die der Globalisierung.

Die Bedeutung für Deutschland

Eine unblutige Revolution brachte dem maroden, wirtschaftlich und moralisch zersetzten DDR-Staat, das Ende. Gleichwohl war die DDR die Heimat und das Identifikationsobjekt für 17 Millionen Bürger, die 40 Jahre in diesem Staat lebten und durch ihn geprägt waren. Man konnte nun mal nicht weg und musste sich irgendwie einrichten. Es entstand Alltag, in dem wie überall gelebt, geliebt und gelitten wurde. Der "Systemwechsel" war nicht nur Befreiung, sondern auch Schock, liberale Marktwirtschaft in praxi unbekannt, die Gesetze der "neuen Welt" fremd und unverständlich. Maximale Unsicherheit war die Folge und wer plötzlich seinen Arbeitsplatz verlor, der empfand die "Wende" als neue Bedrohung. Der Transformationsprozess des Ostens dauert bis heute immer noch an, brachte Gewinner und Verlierer und hinterlies in weiten Teilen Verunsicherung und Enttäuschung, denn diese Transformation war plötzlich nicht nur ein deutsch-deutsches Thema, sondern ein globales.

Globalisierung und soziale Marktwirtschaft

Der Blick des Ostens auf den Westen war geprägt von einer verheißungsvollen Wirtschaftsform, der sozialen Marktwirtschaft. Die wich aber zunehmend unter der weltweiten Veränderung, die eine globalisierte Wirtschaftsordnung nach sich zog. Plötzlich waren Fragen des Sozialen, Wirtschaftlichen und Politischen nicht mehr national zu beantworten, sondern international. Was sich auch für die westliche Welt als Bruch darstellte, war für den Osten also ein doppelter Bruch. Die eigene Identität ging verloren und die erhoffte Wirtschaftsform einer sozialen Marktwirtschaft wich einem globalen Kapitalismus, der sich nun ungehemmt und unkontrolliert entfalten konnte. Dies brachte auch im Westen Unsicherheit und regional Verlust von Existenz und Perspektive. 

Nationalität und globale Weltordnung

Die Konsequenzen der Globalisierung sind durchaus ambivalent. Auch hier gibt es wirtschaftliche Gewinner und Verlierer. Es gibt aber strukturelle Veränderungen, die grundsätzlicher Natur sind. Die Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit des einzelnen Staates ist unter globalisierten Bedingungen geringer als zuvor. Viele politische Akzente werden nicht mehr national, sondern im Verbund mit anderen Staaten gesetzt. Die Internationalisierung großer Volkswirtschaften wie wir sie in den USA und in China antreffen,  verlangt zum Beispiel die Europäisierung der Nationen Europas, was die zunehmende Abgabe politischer Eigenständigkeit der nationale Parlamente zur Folge hat.

Identität und Selbstwahrnehmung

Was mit der Überwindung des Kommunismus begann, wird heute nach 30 Jahren wirtschaftlicher Globalisierung als Verlust der Selbstbestimmtheit, der Eigenständigkeit und Unabhängigkeit empfunden. Man geht zwar zur Wahl (im besten Fall), scheint aber auf nichts mehr wirklich Einfluss zu haben. Man fühlt sich als Objekt der Entscheidung anderer, gesteuert aus der Distanz zwischen Brüssel und Berlin, international gehandelt zwischen Dow Jones und Hongkong-Dollar. Am Ende fühlt man sich verraten, entkoppelt und mißachtet. Trifft diese Ohnmacht, die nur dumpf empfunden aber strukturell nur schwer zu erklären ist, auf Umstände, die traditionelle Vorurteile und Angst vor allem Fremden auslösen, wird aus Wut der Ohnmacht Hass gegen den vermeintlichen Auslöser der eigenen Situation und die, die ihn zulassen. Die in Berlin sind Schuld, die in Brüssel, die Migranten, die "Verräter am eigenen Volk"! 

Aufschwung des Populismus

Wer aus der Perspektive des gefühlten oder tatsächlichen Opfers beim Versuch der Erklärung der eigenen Situation den Überblick verliert, findet im Gedankengut rechtspopulistischer Welterklärer einfache Antworten, die bei Licht betrachtet aber nur Ängste und Vorurteile bedienen. Diese Tendenz findet sich in allen europäischen Nationalstaaten und selbst in Donal Trumps "America first"-Politik. Tatsächlich aber steht die Weltgemeinschaft vor so großen sozialen, ökonomischen und vor allem ökologischen Problemen, dass jeder nationale Alleingang zum Scheitern verurteilt ist. 

Antworten

Um die Spirale von Wut, Hass und Gewalt, die das Ergebnis des Gefühls von Ohnmacht und Ausgeliefertheit ist, zurückzudrehen, müssen zwei Dinge ins Auge gafaßt werden. Gewalt ist in jeder Form und aus jedem Anlass ohne die geringste Toleranz abzulehnen und muss mit allen Konsequenzen rechtsstaatlicher Mittel bekämpft werden. Es muss endlich ein gesellschaftsübergreifender Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Bevölkerung in Gang gebracht werden, der wieder die Beziehung zwischen den Ereignissen und den Betroffenen nachvollziehbar herstellt. Das Schweigen zwischen Regierenden und Regierten muss ebenso überwunden werden wie zwischen Unternehmern und Arbeitnehmern. Der einzige Weg zur Überwindung von Wut, Hass und Gewalt ist der demokratische Dialog mit einer einzigen Vorbedingung: Gewaltlosigkeit!

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