Soll unsere Klimapolitik dem Wandel entgegenwirken oder gegen Klimafolgen resilient machen?

Wir müssen uns mit Zahlen, Fakten, politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen beschäftigen, wenn wir unsere Klimapolitik sinnvoll ausrichten wollen. Ideologie und utopische Sehnsüchte helfen da nicht viel. Zunächst einmal: den Klimawandel leugnet mittlerweile niemand mehr, selbst die AfD nicht. Uneinigkeit herrscht über die Beantwortung der Frage, ob der Klimawandel natürlichen Ursprungs ist oder vom Menschen und seinem CO2 Ausstoß ausgelöst wird. Es wird Sie erstaunen, aber für uns Deutsche ist die Klärung der letzteren Fragestellung irrelevant, wenn es um die Ausrichtung unserer Klimapolitik geht. Klingt doch eine wenig verrückt, oder? Und dennoch stimmt es. Um das zu verstehen, müssen wir uns den gesamten Faktenkomplex einmal genauer anschauen.

Sinnbild einer Schicksalsfrage

Ideologie versus Vernunft

Klimaschwankungen mit entsprechenden Temperatursprüngen sind in der Erdgeschichte eher der Normalfall. Eiszeiten und Heißzeiten wechseln sich in schöner Regelmäßigkeit ab. Solche Schwankungen brauchen mitunter bis 10.000 Jahre, um sich zu entwickeln. Der gegenwärtige Klimawandel macht da eine spektakuläre Ausnahme. Mit dynamischer Entwicklung vollzieht er sich in extrem kurzer Zeit über knapp 100 Jahre und verläuft auffällig synchron zur Phase des vom Menschen verursachten CO2-Ausstoß. Es ist also naheliegend, dass unser industrielles Konsum-Zeitalter der Grund für die Klimaerwärmung ist.

Die Hauptverursacher der CO2 Produktion sind Amerika, China und Russland. Der Anteil, den die Bundesrepublik beisteuert, beträgt gerade einmal 2%. Zur Veranschaulichung: der CO2-Ausstoß, den China in nur 2 Wochen verursacht, entspricht dem Co2-Ausstoß, den Deutschland insgesamt in 5 Jahren produziert. Da stellt sich die Frage, ob und inwieweit Deutschland in der Lage ist, dem Klimawandel, der nur global zu betrachten ist, da er keine Ländergrenzen kennt, wirksam entgegentreten kann. Wir müssen in dieser Frage ehrlich sein, gar nicht! Dennoch wird permanent von bestimmter politischer Seite gefordert, dass wir immer mehr Geld zum Kampf gegen den Klimawandel zu investieren haben. Diese Forderung ist also ideologisch motiviert, aber nicht vernünftig.

In der Diskussion dieses Widerspruchs behaupten die Kämpfer gegen den Klimawandel, Deutschland nähme eine Sonderstellung: zwar sei nicht zu leugnen, dass unsere Bemühungen konkret keine tatsächliche Wirkung hätten, aber Deutschland habe in der Welt eine Art „Vorreiter-Rolle“. Wenn wir alles „richtig“ und vorbildlich machten, dann würden uns die anderen (also die tatsächlichen CO2-Produzenten) mit der Anwendung teurer, klimaneutraler Technologie folgen. Ein Blick in die „Welt“ zeigt uns aber, sie tun es nicht. Zugegeben, das ist eine deprimierende Erkenntnis, aber nicht zu leugnen. Die USA unter Donald Trump haben gerade erst wieder ihre Begeisterung für die Nutzung fossiler Energie wiederentdeckt. China hat ein gewisses Bewusstsein für energetische Umweltbelastung, stellt aber bedingungsloses Wachstum über alle Bedenken und baut neben Atomkraftmeilern riesige Gas- und Kohlekraftwerke. Indien verfolgt keinerlei relativierende Fragestellungen und will auch zukünftig ordentlich CO2 in die Atmosphere blasen. Nach Deutschland und seine Co2-Vermeidungs-Technologie fragt niemand.

Was tun

Die Kosten der CO2-Vermeidung rauben unsere Volkswirtschaft enorme Summen, ohne in der Welt-Gesamtbilanz der CO2-Belastung von Bedeutung zu sein. Die Folgen des Klimawandels sind also durch uns nicht zu vermeiden. Vielleicht sollten wir die enormen, aber sinnlos ausgegebenen Summen Geldes zur Steigerung der Resilienz gegen Klimafolgen ausgeben. Das würde Sinn machen und die Klimafolgen erträglicher. Asphaltierte Bodenflächen müssten wieder geöffnet werden durch neuartige Bodenbeläge, um wieder Regen in den Grund gelangen zu lassen. Häuser, Straßen und ganze Innenstädte sollten radikal begrünt werden, was einerseits CO2 bindet und gleichzeitig kühlt. Die Aufforstung deutscher Wälder müsste mehr wärmeresistente Pflanzen berücksichtigen. Flussverläufe sollten aus ihrer unnatürlichen Begradigung wieder in ihre ursprüngliche mäandernden Verläufe zurück versetzt werden. Alle öffentlichen Gebäude sollten durch natürliche Verfahren klimatisiert werden. Der Umfang der Möglichkeiten ist schier endlos, aber zur Abwechslung mal wirksam.

Am 1. Juli 2024 trat ein Gesetz in Kraft, das für all diese Maßnahmen einen staatlichen Handlungsrahmen setzt, das sogenannte KAnG. Was aber nützt ein Gesetz, wenn die Handlungs-Richtung und die damit verbundenen Investitionen aus ideologischen Gründen immer weiter in die falsche Richtung weisen. Klimaneutral werden und gleichzeitig optimal angepasst an Klimafolgen sein, das geht eben wirtschaftlich nicht. Dürfen wir deshalb nicht endlich erwarten, dass die „deutsche“ Klimaneutralität als Ziel durch optimale Klimafolgen-Anpassung abgelöst wird? Ideologische Forderungen ohne Wirkung dürfen dem, was die Vernunft fordert, nicht im Wege stehen.