Gebäudeversicherung in Bewegung
Gebäudeversicherung in Bewegung. Grundsätzlich ist so eine Gebäudeversicherung ja keine „Raketen-Wissenschaft“. Wer schon einmal mit dieser ganz besonderen Form der Sachversicherung Berührung hatte, erinnert sich an Begriffe wie „Gebäudewert 1914“, „Elementarschadendeckung“ und „Wasserführende Zu- und Ableitungen auf dem Grundstück“. Soweit, so gut, all diese Dinge sind immer noch von Relevanz. Dennoch haben sich in der Versicherung von Gebäuden viele neue Aspekte ergeben, die die „Versicherbarkeit“ komplexer gestalten. Was sind die aktuellen neuen Aspekte?

Die Fragestellungen sind komplexer
Wer bisher mit dem Thema der Gebäudeversicherung konfrontiert war, weiß, es kommt auf den Gebäudewert im Falle eines Totalschadens an, also auf die Kosten eines eventuellen Wiederaufbaus und den zuvor stattfindenden Rückbaus inclusive Entsorgung. Dem Gebäudewert lag wesentlich die Grundfläche und der umbaute Raum zu Grunde. Daraus ergab sich dann eine Versicherungssumme. Grundsätzlich hat sich daran nichts geändert. Entscheidend für die Versicherungssumme und die grundsätzliche Versicherbarkeit sind jedoch mittlerweile wesentliche zusätzliche Aspekte hinzugekommen. Ob von Menschenhand verursacht oder natürlich bedingt, Klimaveränderungen lassen sich nicht leugnen und verändern die Risikosituation zunehmend. Früher war der Zustand eines Gebäudes mit Blick auf eventuelle Wiederherstellungskosten von geringerer Relevanz. Man hat aber erkannt, dass zwischen Zustand und Schadenhäufigkeit bei klimatisch veränderten Rahmenbedingungen eine Beziehung besteht. Wo steht also das Gebäude und wie resilient ist die Bausubstanz gegen kritische Wetterlagen. Der Blick auf den bisherigen Schadenverlauf ist also wesentlich kritischer.
Auch bei neueren Gebäuden hat sich eine Verschiebung in der Bewertung der Risiken und der Versicherungssumme ergeben. Der Trend heißt „immer höher, immer größer, immer edler“. Konstruktionen und Baustoffe können sich finanziell wesentlich unterscheiden. Da hilft die Grundfläche und die Größe des umbauten Raumes allein nicht mehr weiter, um den Gebäudewert in der Wiederbeschaffung zu bewerten. Versicherer neigen zunehmend dazu, besonders hohe und komplexe Risiken gar nicht mehr oder nur zu sehr hohen Kosten zu versichern. Das Einfamilienhaus ist davon in der Regel nicht betroffen, aber im Falle eines anspruchsvollen Mehrfamilienhauses sieht das schon anders aus. Es gibt heute Wohnkomplexe, in denen viele Nutzer in Summe ein erhöhtes Risiko darstellen. Die Frage der Nutzung eines Gebäudes ist heute also wichtiger denn je.
Volatile Kalkulationen
Für eine Versicherung spielt der „Verkehrswert“ eines Gebäudes, also sein Kauf- oder Verkaufswert, keine Rolle. Solche „Verkehrswerte“ können sehr schwankend sein und für die effektiven Kosten eines Wiederaufbaus spielen sie eh keine Rolle. Aber auch bei den Kosten für Bauleistungen ist die Preisentwicklung äußerst dynamisch und von vielen, nicht einfach zu kalkulierenden Umständen abhängig. Am Beispiel der Kriegssituation in der Ukraine und in Iran lässt sich erkennen, dass eine plötzliche Verengung der Versorgungslage mit Öl die gesamte Wirtschaft beeinflusst, alle Preise steigen und jeden betrifft. Für das Baugewerbe ist das nicht anders. Versicherungsprämien werden heute also in kürzeren Zyklen angepasst. Sie kennen das sicher – leider – von der Entwicklung des Beitrags für ihre Kfz-Versicherung. Immer höherwertige Fahrzeuge verursachen im Schadenfall immer höhere Kosten, dazu kommt die Gesamtentwicklung von Löhnen, Sozialabgaben, Nebenkosten und die Kosten für Energie.
Wir tun gut daran, uns mit den sich verändernden Lebensbedingungen und der wirtschaftlichen Entwicklung auseinander zu setzen. In einer extrem dynamischen, unfriedlichen Welt mit globaler Vernetzung kann kein Staat so tun, als könnten sich die internationalen ökonomischen Verwerfungen innerstaatlich auffangen lassen. Immerhin, so lange wir uns mit steigenden Kosten für Gebäude- und Kfz-Versicherungen zu beschäftigen haben, besitzen wir sie zu unserem Nutzen. Viele Menschen auf der Welt haben nicht einmal Nahrung und Wohnung, leben in Krieg und brutaler Unterdrückung.
