Naturgefahren verursachen im ersten Halbjahr 2026 vergleichsweise geringe Schäden

Die deutschen Versicherer verzeichnen für die ersten sechs Monate des Jahres 2026 Naturgefahrenschäden in Höhe von rund 950 Millionen Euro. Damit liegt die Schadenbelastung zwar auf dem Niveau des Vorjahres, fällt im langjährigen Vergleich jedoch relativ niedrig aus. Nach Einschätzung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist dies vor allem darauf zurückzuführen, dass größere Winterstürme bislang ausgeblieben sind.

Der GDV warnt zugleich davor, die niedrigen Zahlen als Entwarnung zu verstehen. Der fortschreitende Klimawandel erhöhe die Wahrscheinlichkeit extremer Wetterereignisse. Auch einzelne Unwetter könnten innerhalb kurzer Zeit Schäden in Milliardenhöhe verursachen. Die vergleichsweise geringe Schadenbilanz sei daher eher eine günstige Momentaufnahme als ein nachhaltiger Trend.

Da braut sich was zusammen

Mehr Schäden durch Starkregen und Überschwemmungen

In der Sachversicherung entfielen etwa 400 Millionen Euro auf Sturm- und Hagelschäden. Schäden durch weitere Naturgefahren, insbesondere Starkregen und Überschwemmungen, summierten sich auf rund 200 Millionen Euro. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 hat sich dieser Wert damit verdoppelt.

Im Vorjahreszeitraum waren noch rund 500 Millionen Euro auf Sturm und Hagel sowie etwa 100 Millionen Euro auf sonstige Elementargefahren entfallen.

Auch die Kraftfahrtversicherung blieb im ersten Halbjahr 2026 von größeren Belastungen verschont. Der Schadenaufwand durch naturbedingte Ereignisse lag bei ungefähr 350 Millionen Euro. Damit entsprach die Entwicklung weitgehend der des Vorjahres.

Jahresprognose bleibt unter dem Durchschnitt

Für das Gesamtjahr erwartet der GDV bei einem durchschnittlichen weiteren Jahresverlauf Sturm- und Hagelschäden einschließlich der landwirtschaftlichen Pflanzenversicherung von rund zwei Milliarden Euro. Zum Vergleich: Unter normalen Bedingungen wäre auf Grundlage des aktuellen Versicherungsbestands und Preisniveaus mit Schäden von etwa 3,1 Milliarden Euro zu rechnen.

Bei Starkregen, Überschwemmungen und anderen Elementargefahren geht der Verband für 2026 von einer Schadenhöhe von ungefähr einer Milliarde Euro aus. Der langjährige Durchschnitt liegt mit rund 1,8 Milliarden Euro deutlich höher.

In der Kraftfahrtversicherung werden etwa 300.000 Schadenfälle infolge von Naturgefahren prognostiziert. Der erwartete Schadenaufwand liegt zwischen 1,2 und 1,3 Milliarden Euro. Die Einschätzung für das zweite Halbjahr fällt leicht überdurchschnittlich aus, weil bereits im Juli mehr Schäden als üblich registriert wurden.

Versicherer fordern umfassendes Konzept zum Schutz vor Naturgefahren

Vor dem Hintergrund zunehmender Extremwetterereignisse fordert die Versicherungswirtschaft ein ganzheitliches Konzept zur Absicherung gegen Naturgefahren. Dieses soll aus drei miteinander verbundenen Bausteinen bestehen:

  • einem möglichst flächendeckenden, freiwilligen Versicherungsschutz mit einer Opt-out-Möglichkeit,
  • verbindlichen Maßnahmen zur Prävention und Anpassung an die Folgen des Klimawandels,
  • einer öffentlich-privaten Lösung zur Absicherung besonders großer Extremrisiken.

Darüber hinaus spricht sich der GDV für strengere Vorgaben beim risikobewussten Planen und Bauen aus. Dazu gehören unter anderem ein Baustopp in besonders gefährdeten Überschwemmungsgebieten, ein bundesweit einheitlicher Naturgefahrenausweis und die stärkere Entsiegelung von Flächen.

Auch bei Baugenehmigungen sollten die möglichen Auswirkungen des Klimawandels stärker berücksichtigt werden. Eine verbindliche Klima-Gefährdungsbeurteilung könnte dabei helfen, neue Gebäude besser vor Hochwasser, Starkregen, Hitze und weiteren Naturgefahren zu schützen.