Künstliche Intelligenz – es kommt darauf an, was man daraus macht
Liebe Leserin, lieber Leser,
dieser Blog-Artikel ist reine Hand- und Kopfarbeit, so entstanden, wie meine Texte seit eh und je entstehen: Gedanken machen, Ziele festlegen, Aussagen formulieren, dann kontextualisieren. Wo bleibt da die künstliche Intelligenz, was macht da Chatgpt? Pause? Spricht hier gar ein Kultur-Fossil aus jener Zeit, von der manche behaupten, damals sei alles besser gewesen? Nein, ganz und gar nicht.

Kann künstliche Intelligenz denken?
Gibt es überhaupt „künstliche Intelligenz“? Nein, nicht wirklich. Bei all dem, was wir so nennen, handelt es sich um gigantische Datenauswertungen in Blitzgeschwindigkeit nach dem Prinzip der Wahrscheinlichkeit von Aufeinanderfolgen. Am Modul Chatgpt lässt sich das gut erläutern. Geben wir zum Beispiel die Aufgabenstellung : „Darstellung des USA-Iran-Konflikt im Verlauf der Jahre 2010 bis 2026“ ein, so durchsucht das System alle im Internet vorhandenen Texte im Kontext der Fragestellung und bildet einen Text, der ausschließlich nach der Wahrscheinlichkeit aufeinanderfolgender Wörter gebildet ist. Das liest sich dann ganz passabel, kann aber auch grobe Fehler enthalten, da die Texte des Netzes ja nicht notwendigerweise zutreffend sein müssen. Also aufgepasst! Ki ist also gar nicht intelligent, sondern schnell und breitenbasiert.
Ist so ein Modul also schlecht? Nein, natürlich nicht. Wir müssen uns nur der Gefahr bewusst werden, die von diesem Modul ausgeht, wenn wir es falsch nutzen. Das ist wie mit der Atomkernspaltung. Als Radioaktivität benutzen wir sie in der Medizin, um Leben zu retten, als Atombombe können wir damit aber auch die Menschheit ausrotten. Die Erfindung als solche ist völlig wertneutral. So verhält es sich auch mit künstlicher Intelligenz.
Erfindungen bleiben, aber sie verändern auch uns
Machen Sie einmal den Versuch. Fragen Sie einmal jemanden, der seine Texte KI-gestützt produziert, nach den drei Hauptgedanken eines Artikels, den er vor einer Woche erstellen lies. Er wird sich kaum erinnern können. Er wird nicht einmal in der Lage sein, auch nur einen Satz zu zitieren. Aber dennoch stand sein Name unter dem Text. War der Text nun schlecht? Auch das war nicht der Fall. Warum ist an diesem Beispiel etwas Problematisches?
Denken ist ein Prozess zwischen Individuum und Welt. Dabei verändert sich das Individuum durch seine Gedanken. Der Mensch kommt zu Erkenntnissen oder verwirft welche. Der Prozess ist komplex. Das Entscheidende ist, dass Aussagen über das Individuum oder die Welt als Ergebnissen von eigenen Denkprozessen quasi eine Art Eigentum darstellen. Das nennen wir Bewusstsein, die Basis für die Fähigkeit selbstbestimmte Entscheidungen treffen zu können, deren Konsequenzen wir zumindest in Teilen überschauen.
Machen Sie mal den Versuch
Berufsbedingt beschäftige ich mich von Zeit zu Zeit mit Bewerbungen von Menschen unterschiedlichen Alters, häufig sind es aber jüngere Menschen, die sich z.B um einen Ausbildungsplatz bemühen. Das liest sich oft sehr gut und seit zwei Jahren immer besser. Da wirs die Motivationslage für die berufliche Entscheidung erläutert, oft mals bis in ganz persönliche Erfahrungsbereiche. Da werden Zukunftsbeschreibungen eigener Ziele formuliert, als ginge darum, ein Unternehmen zu gründen. Toll! Und dann fragen Sie einmal einen solchen Bewerber im direkten Gespräch nach den Inhalten seiner Bewerbung. Nach dem ersten Stottern folgen ein paar bemühte Sätze und Sie stellen fest, dass der Bewerber über die Sprache seiner Bewerbung gar nicht verfügt. Sie präzisieren ihre Fragen nun hinsichtlich der argumentativen Inhalte der Bewerbung um festzustellen, dass von den tollen Motivationslagen gar nicht gesprochen werden kann. Menschen, die ihrerseits nicht über Begriff und Sprache in entwickelter Form verfügen, bekommen durch Chatgpt eine verbale Wirkung, die sie in Wahrheit nicht besitzen. Als Auszubildende im Bereich Reno-Gehilfin sind das schlechte Voraussetzungen.
Das Schlimmste liegt aber nicht in der vermeintlichen Täuschung, sondern im kognitiven Selbstbetrug. Wer nicht selbst schreibt, recherchiert und formuliert, lernt ganz einfach nicht und sammelt kein Wissen, ohne das selbstbestimmtes Handeln nicht möglich ist. Die Sprachwissenschaft hat längst nachgewiesen, dass Denken ohne Begriffsbildung nicht möglich ist. Wer verbal nur über einen „Hammer“ verfügt, für den ist jedes Problem ein „Nagel“. Welt gestaltet sich aber immer komplexer. Es könnte also sein, dass der Mensch die Welt in gewissem Sinne verliert. Künstliche Intelligenz könnte in der Konsequenz den Menschen entmündigen.
Der Nutzen von KI
Selbstlernende digitale Systeme können aber sehr hilfreich sein. Große Textumfänge lassen sich sinnvoll verkürzen, was Lesezeit spart. So wie bisher Wikipedia ist Chatgpt eine hervorragende Hilfe im Rahmen von Recherche. Überall da, wo einfache sprachliche Formen gebraucht werden, kann viel Arbeitszeit eingespart werden. In der Steuerung von Arbeitsprozessen kann KI schneller als der Mensch operieren und Abläufe optimieren. Es kommt also darauf an, wie KI eingesetzt wird, produktiv und Effizienz steigernd oder das eigene Denken ersetzend. Es kommt also auf uns an, was wir aus Entwicklungen machen.
Der Mensch hat mittlerweile erkannt, dass von der KI eine Gefahr ausgehen könnte. Bei den großen amerikanischen Tech-Unternehmen arbeiten heute hervorragende IT-Spezialisten mit Hochdruck daran, Systeme zu entwickeln, die sie innerhalb von kurzer Zeit überflüssig machen. Eine Gesellschaft, die den Menschen als arbeitendes Wesen nicht mehr braucht, muss sich fragen lassen, wie der soziale Zusammenhalt in einer solchen Welt organisiert werden kann. Silicon Valley, wir haben ein Problem!
