EZB erwartet zunächst weiterhin erhöhte Inflation

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat am 16. September beschlossen, alle drei Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte anzuheben. Damit will die EZB die Inflation bremsen und mittelfristig wieder auf ihr Ziel von 2 Prozent bringen.

Nach Einschätzung der EZB sorgt der Konflikt im Nahen Osten weiterhin für zusätzlichen Preisdruck – vor allem, wenn dadurch Energie und andere wichtige Rohstoffe teurer werden. Deshalb dürfte die Inflation noch längere Zeit deutlich über dem Zielwert von 2 Prozent liegen.

Die EZB in Frankfurt

EZB erwartet zunächst weiterhin erhöhte Inflation

In ihrer neuen Prognose rechnet die EZB mit folgender durchschnittlicher Inflationsrate:

  • 2026: 3,0 Prozent
  • 2027: 2,5 Prozent
  • 2028: 2,1 Prozent

Bei der sogenannten Kerninflation – also der Inflation ohne Energie und Lebensmittel – erwartet die EZB:

  • 2026: 2,5 Prozent
  • 2027: 2,6 Prozent
  • 2028: 2,3 Prozent

Die Prognose für 2026 blieb gegenüber Juni unverändert. Für 2027 und 2028 erwartet die EZB nun allerdings eine etwas höhere Inflation als bisher.

Gleichzeitig beurteilt sie die wirtschaftliche Entwicklung des Euroraums etwas optimistischer. Das Wirtschaftswachstum soll voraussichtlich betragen:

  • 2026: 0,9 Prozent
  • 2027: 1,4 Prozent
  • 2028: 1,5 Prozent

Die Prognosen für 2026 und 2027 wurden damit angehoben. Nach Ansicht der EZB zeigt sich die Wirtschaft im Euroraum widerstandsfähiger als zunächst erwartet.

Welche Folgen hat die Leitzinsanhebung?

Die Leitzinsen wirken nicht sofort und nicht in allen Bereichen gleich. Sie beeinflussen jedoch nach und nach die Zinsen für Kredite und Sparanlagen sowie die Nachfrage in der Wirtschaft.

Kredite und Baufinanzierungen werden teurer

Banken orientieren sich bei ihren Zinsen unter anderem an den Leitzinsen der EZB. Steigen diese, erhöhen sich häufig auch die Zinsen für:

  • Ratenkredite,
  • Unternehmensdarlehen,
  • Dispositionskredite,
  • Baufinanzierungen und
  • variabel verzinste Immobilienkredite.

Für neue Kredite müssen Verbraucher und Unternehmen dadurch meist mehr Zinsen zahlen. Bei bestehenden Krediten hängt die Wirkung vom Vertrag ab: Kredite mit einem festen Zinssatz bleiben während der Zinsbindung unverändert. Bei variabel verzinsten Darlehen können sich die monatlichen Raten dagegen erhöhen.

Die höheren Finanzierungskosten können dazu führen, dass Haushalte weniger konsumieren und Unternehmen Investitionen verschieben. Das bremst die Nachfrage und damit in der Regel auch das Wirtschaftswachstum.

Guthabenzinsen können steigen

Für Sparerinnen und Sparer können höhere Leitzinsen zunächst positiv sein. Banken erhöhen häufig die Zinsen für Tagesgeld, Festgeld und andere Sparanlagen – allerdings nicht immer sofort und nicht im gleichen Umfang wie die Leitzinsen.

Wie stark die Guthabenzinsen steigen, hängt unter anderem vom Wettbewerb zwischen den Banken und von der jeweiligen Anlageform ab. Auch nach einer Zinserhöhung kann die Rendite eines Sparguthabens unter der Inflationsrate liegen. Dann verliert das Geld trotz Zinsen weiterhin an Kaufkraft.

Preise sollen mittelfristig langsamer steigen

Das wichtigste Ziel der Leitzinserhöhung ist, die Inflation zu bremsen. Wenn Kredite teurer werden und Sparen attraktiver wird, geben Verbraucher und Unternehmen tendenziell weniger Geld aus. Die Nachfrage nach Waren, Dienstleistungen und Investitionen geht dann möglicherweise zurück.

Das kann den Preisanstieg abschwächen. Die Leitzinsen können allerdings nicht direkt verhindern, dass Energie, Lebensmittel oder Rohstoffe wegen internationaler Konflikte teurer werden. Sie sollen vor allem verhindern, dass sich solche Preissteigerungen dauerhaft auf die gesamte Wirtschaft übertragen – etwa durch höhere Löhne, steigende Dienstleistungspreise und weitere Preiserhöhungen.

Auswirkungen auf die Wirtschaft

Die Zinserhöhung ist deshalb ein Balanceakt:

  • Sie kann die Inflation bremsen.
  • Sie verteuert jedoch Kredite und Investitionen.
  • Sie kann den Konsum und das Wirtschaftswachstum abschwächen.
  • Gleichzeitig können höhere Sparzinsen die Einkommen von Sparern verbessern.

Nach Einschätzung der EZB sind die Risiken für die Inflation derzeit eher nach oben gerichtet. Für das Wirtschaftswachstum sieht sie dagegen eher Risiken nach unten. Wie sich die Lage tatsächlich entwickelt, hängt insbesondere davon ab, wie stark und wie lange der Energieschock anhält und ob es zu weiteren indirekten Preissteigerungen kommt.