Die digitale Welt im Auto kann zur Gefahr werden

Smartphones, Fahrzeugdisplays und andere digitale Anwendungen können die Aufmerksamkeit am Steuer erheblich beeinträchtigen. Eine aktuelle Untersuchung des Allianz Zentrums für Technik (AZT) kommt zu dem Ergebnis, dass Ablenkung die Gefahr eines Zusammenstoßes in kritischen Situationen fast verdreifachen kann. In den untersuchten Fällen fiel das Risiko sogar höher aus als bei einem simulierten Blutalkoholwert von 0,8 Promille.

Das Display lenkt ab

Verkehrssituationen im Simulator getestet

Vorgestellt wurden die Ergebnisse am 21. Oktober beim 14. Allianz Motor Day. Das AZT führte die Untersuchung gemeinsam mit dem Unternehmen cogniBIT durch. Mithilfe computergestützter Simulationen prüften die Forschenden, wie Ablenkung die Reaktionen von Autofahrern beeinflusst. Verschiedene Gefahrensituationen wurden dafür jeweils tausendmal und unter unterschiedlichen Bedingungen nachgestellt.

Deutlich mehr Kollisionen bei Ablenkung

Besonders deutlich zeigte sich der Effekt bei einer abrupten Bremsung auf der Autobahn: Der Anteil der Zusammenstöße stieg durch Ablenkung von 18,2 auf 54,3 Prozent. Lief plötzlich ein Kind auf die Fahrbahn, erhöhte sich die Kollisionsquote von 3,9 auf 11,2 Prozent. In sämtlichen vier untersuchten Szenarien war das Risiko für abgelenkte Fahrer höher als bei einem simulierten Alkoholeinfluss von 0,8 Promille.

Nach Einschätzung der Allianz ist Ablenkung bei mindestens 30 Prozent der Verkehrsunfälle beteiligt – als direkte Ursache oder als zusätzlicher Faktor. Die tatsächliche Bedeutung werde in offiziellen Statistiken vermutlich nicht vollständig abgebildet: Nach einem Unfall ist Ablenkung oft schwer zu belegen.

Verantwortung liegt nicht allein bei den Fahrern

Wie Christian Sahr, Leiter des Allianz Zentrums für Technik, erklärt, lassen sich Ablenkungsmomente häufig schwerer nachweisen als Alkoholeinfluss. Ein kurzer Blick auf das Smartphone oder das Fahrzeugdisplay hinterlasse meist keine klaren Spuren. Mit der fortschreitenden Digitalisierung der Autos dürfte das Thema weiter an Gewicht gewinnen. Die Allianz sieht daher auch Hersteller und Regulierungsbehörden in der Pflicht, dazu beizutragen, Ablenkungsgefahren im Straßenverkehr zu verringern.