Ein finanziell auskömmliches Leben im Alter ist möglich, aber wie?

Der Kanzler sprach von der gesetzlichen Rente als zukünftiger Basisabsicherung. Dafür bekam er viel Gegenwind, im Grunde zu Unrecht, wie eine genaue Analyse zeigt. Aber seine Aussage ging weiter. Was war gemeint und was besagte die ganze Einlassung zu diesem Thema. Dem wollen wir nachgehen.

Auskömmlich leben im Alter

Die Faktenlage zur „Basis-Absicherung“

Wer sich die mediale Reaktion auf Friedrich Merz Aussagen zur Zukunft der gesetzlichen Rente anschaut, der kommt zu dem Eindruck, dass die journalistische Hysterie zu diesem Thema vor allem von einem bewussten Missverstehen geleitet ist. Merz hat weder von einer Rentenkürzung für bereits verrentete Bundesbürger gesprochen, noch von einer zukünftigen Rentenkürzung, obwohl dies ständig behauptet wird. Bereits bestehende Renten genießen in ihrer Höhe gesetzlich garantierten Bestandsschutz. Das gegenwärtige Rentenniveau von durchschnittlich 48% vom letzten Netto wurde erst im letzten Jahr von der Koalition bis zum Jahr 2031 festgeschrieben.

Zur Zeit muss der Staat jährlich 128 Milliarden Euro aus Steuermitteln in die Rentenkasse einzahlen, um dieses Rentenniveau zu halten. Rentner erhalten daher bereits heute wesentlich mehr Rentenleistung, als die Summe der zahlenden Arbeitnehmer aufbringen können. Das ist die Auswirkung der Demographie, immer weniger Beitragszahler stehen immer mehr Rentenempfängern gegenüber.

Die zu verteilenden Steuermittel müssen aber erst wirtschaftlich erbracht werden. Der Staat selbst hat kein Geld, es ist unser Steueraufkommen, das die Lasten begleichen muss. Für die Zukunft kann also die jährliche Anhebung der Rentenzahlung, in diesem Jahr, immerhin 4,24%, nicht fortlaufend garantiert werden. Das aber gilt ja auch für die Entwicklung der Einkommenshöhe der Erwerbstätigen, an der sich die Rentenanpassung orientiert. Es ist also durchaus denkbar, dass eine steile Inflationsrate die vielleicht geringeren Rentenanpassungen übersteigt. Das wäre eine objektive Einbuße in der Kaufkraft der Rentner. Das ist der faktische Hintergrund der Aussage des Kanzlers zur Zukunft der Renten. Tatsächlich sind wir auf der Höhe des Machbaren. Das hat mit Rentenkürzungen, wie immer wieder falsch behauptet, nichts zu tun. Vielleicht sind es aber die heutigen Arbeitnehmer, die sich im Umgang mit ihren finanziellen Mitteln zukunftsorientierter aufstellen müssen. Und das betrifft jeden!

Rücklagenbildung

Wer als heutiger Arbeitnehmer nicht verstanden hat, neben der Sozialabgabe zur Rentenversicherung die Säulen 2 und 3 des Vorsorgemodells ebenfalls bedienen zu müssen, der hat die seit 30 Jahren vom Staat propagierte individuelle Vorsorgebemühung schlicht und einfach ignoriert, der kümmert sich nicht um die betriebliche Altersvorsorge oder um die zusätzliche private Rentenversicherung. Und die Begründung ist immer dieselbe, kein Geld. Dennoch ist das Konsumniveau der Bundesbürger immer noch recht hoch im europäischen Vergleich. Wir fahren immer noch viel zu groß dimensionierte Autos, leisten uns teure Urlaube und weite Flugreisen, gehen ständig in Restaurants und zahlen beträchtliche Summen für Smartphones und dazu passende digitale Dienstleistungen. Da erscheint Rücklagenbildung dann wirklich schwer. Fehlt es wirklich am Geld, oder fehlt es an unserem Willen, Eigenverantwortung zu leisten. Man könnte meinem, für viele ist der Staat so etwas wie ein Bestellservice ohne Bezahlung. Irrtum, irgendwann kommt die Rechnung, vielleicht als geringe Rente.

Die Lösung ist möglich, setzt aber Charakter voraus

Eine sinnvolle und hilfreiche Altersvorsorge beruht nur bedingt auf der Höhe eines monatlichen Sparbeitrags. Erfolg in der Altersvorsorge bedeutet „früh beginnen“, „bis zum Rentenbeginn durchhalten“, „nur mäßige Steigerungen einbauen“ und vor allem „staatliche Förderungen ausschöpfen“.

Wer als junger Arbeitnehmer den Beginn der monatlichen Rücklagenbildung versäumt, erkennt dann mit 45 Jahren, dass für ihn sinnvolle Vorsorgebeiträge alle realistischen Möglichkeiten übersteigen. Für dieses Versäumnis ist nicht der Staat verantwortlich. Eben so wenig, wenn vorzeitig die gebildeten Rücklagen – meist aus Gründen des Konsums – angegriffen werden. Ohne „frühzeitig“ und „langfristig“ ist der Aufbau von Altersvorsorge nicht möglich. Dabei entsteht die gesetzliche Rente nicht anders. Die einmal eingezahlten Rentenbeiträge lassen sich auch nicht mehr aktivieren – und das ist gut und richtig so.

In der privaten oder betrieblichen Vorsorge besteht zudem die Möglichkeit, die gesparten Beiträge in kapitalmarktorientierten Anlagen zu sammeln. Ist die Verweil- und Spardauer lang genug, entsteht durch Renditeerträge eine außerordentliche Verzinsung. Deshalb ist die Langfristigkeit wichtiger als die Sparquote zu Beginn, die lässt sich im Laufe der Jahre mit steigenden Gehältern ebenfalls steigern.

Es ist zweifelsfrei richtig. dass es in der Bundesrepublik sehr viele Menschen mit sehr geringen Einkommen gibt. Da ist der Gedanke an die Altersvorsorge weit entfernt. Und das ist falsch! Denn es lassen sich oft mit kleinen monatlichen Beiträgen wesentlich größere Förderungen seitens des Staates auslösen. Nur scheint das kaum jemanden zu interessieren. Erfolgreiche Altersvorsorge ist eben auch das Ergebnis von Interesse und Aktivität. Der Staat hält beträchtliche Mittel zur Vorsorge bereit, fordert aber Mithilfe, finanziell wie gedanklich. Wer nicht in die „Gänge“ kommt, hat bereits verloren.

48% vom letzten Netto-Einkommen als Rente, das ist heute schon für viele nur eine unzureichende Basis-Abdeckung. Ohne zusätzliche Kapitaldeckung aus Eigenverantwortung wird sich auch in Zukunft daran nichts ändern, eher im Gegenteil. Aber über nichts anderes hat der Kanzler gesprochen. Wir sollten also ruhig und sachlich bleiben und handeln, jeder nach seinen Möglichkeiten. Dabei leisten wir Hilfe.